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» Händlerinfos» Preisbindung 

So manches Buch gäbe es nicht ohne festen Ladenpreis

 

Im Juni 2002 wurde nach jahrelanger Debatte das System der Preisbindung im Buchhandel durch die Parlamente in Österreich und Deutschland gesetzlich abgesichert. Seit 1. Oktober 2002 schreibt sogar ein Gesetz die Preisbindung für Bücher in Deutschland verbindlich vor. Wer preisgebundene Bücher zu einem anderen als dem vom Verlag festgesetzten Preis verkauft oder vom Händler einen Nachlass fordert oder eine spätere Zahlung verlangt, macht sich strafbar.

 

Aber mal ehrlich, denken nicht auch Sie insgeheim, dass eine Aufhebung fester Ladenpreise den Wettbewerb ankurbeln und den Verbrauchern sinkende Preise bescheren würde? Schließlich haben die Marktentwicklungen bei Strom und Telekommunikation doch eindrücklich gezeigt, dass eine Deregulierung mehr Wettbewerb und dadurch Preisvorteile bedeutet.

 

Wir wissen, dass es bei Büchern nicht so ist: Vergleiche mit Ländern, in denen es keine festen Ladenpreise (mehr) gibt, zeigen als Folge der freigegebenen Buchpreise nicht nur eine Verarmung des Buch- und Serviceangebots, sondern auch ein höheres Preisniveau. Offenbar gibt es grundlegende Unterschiede zwischen der Ware Buch und anderen, wie etwa der Telefongesprächszeit. Mit den Spielregeln auf dem Buchmarkt kennen wir uns aus: Für das Abschaffen der festen Ladenpreise spricht nicht viel, denn ein Büchermarkt des entfesselten Wettbewerbs nützt nur wenigen. Für die Preisbindung gibt es dagegen eine Reihe guter Gründe. Feste Preise sind im Interesse vieler Verlage, Autorinnen und Autoren, Buchhandlungen und aller Kundinnen und Kunden:

 

Verlage können auf Grund der Preisbindung auch nach anderen Kriterien als purer Wirtschaftlichkeit Bücher machen. Nur feste Preise erlauben verlässliche Mischkalkulationen, mit denen das verlegerische Risiko eingegangen werden kann, auch unbekannte Autoren zu verlegen: Literatur neuer Autorinnen und Autoren, lyrische Texte, aber auch viele Sachbücher oder Fachpuplikationen zu wichtigen und zukunftsweisenden Themen lassen sich nur in geringer Stückzahl verkaufen. Solche unrentablen Titel werden verlagsintern bezuschusst. Die Aufhebung der festen Ladenpreise würde vielen Verlagen die Zuschussprojekte unnötig erschweren. Die heutige Vielfalt von jährlich ca. 80.000 Neuerscheinungen, die die unterschiedlichen Interessen der Leserinnen und Leser widerspiegelt, könnte nicht erhalten bleiben, wenn Verlage gezwungen wären, sich auf die wenigen Bestseller zu konzentrieren.

 

Große Medienkonzerne mit Fernsehsendern, Filmverleihen, Buch- und Zeitschriftenverlagen, sowie mit Buchhandelsketten oder Internetbuchhandlungen treiben die Autorenhonorare und Lizenzgebühren für diese Bestseller in unangemessene Höhen. Kleine Verlage, die bislang neue Autorinnen und Autoren bei uns einführten, bleiben dabei auf der Strecke, und Talentsuche findet nicht mehr statt.

 

Autorinnen und Autoren werden im Extremfall zu Auftragsschreibern. In den USA, einem der Länder ohne feste Ladenpreise, geben Buchhandelsketten mittlerweile Verlagen die Inhalte für Romane vor. Ohne den relativ sicheren Finanzierungsrahmen durch die Preisbindung werden die Honorare drastisch sinken. Schlecht bezahlte Autoren sind gezwungen, schnell – und deshalb weniger sorgfältig – zu arbeiten. Auch die Bereiche Lektorat, Korrektorat und Übersetzung würden unter dem Sparzwang der Verlage zu leiden haben, was die Qualität der Bücher negativ beeinflussen würde.

 

Buchhandlungen bieten in Deutschland flächendeckend kompetente Beratung und Service: Während in den USA auf eine Million Einwohner weniger als vier Buchhandlungen kommen, sind es in Deutschland gut 50! Unsere Buchhandlungen halten vielfältige Sortimente bereit, beschaffen aber auch jedes der 900.000 lieferbaren Bücher unverzüglich, davon fast die Hälfte innerhalb von 24 Stunden. Nur noch Apotheken bieten ein vergleichbares und ähnlich leistungsfähiges Netz.

 

Auch für das Angebot der Buchhandlungen gilt das Prinzip der Mischkalkulation, im Einkauf wie bei der Lagerhaltung: Würde Profitmaximierung oberstes Gebot beim Handel mit Büchern, hätten Kriterien der Vielfalt keine Chance mehr. Mit steigendem Lagerhaltungsrisiko würde sich eine Tendenz zu schnellstmöglich absetzbaren Titeln verschärfen. Wenn nur noch Schnäppchenjagd im Vordergrund stünde, bliebe die kompetente Beratung auf der Grundlage des umfangreichen Sortiments auf der Strecke.

 

Durch den festen Ladenpreis als sicherer Kalkulationsgrundlage ist der Buchhandel in der Lage, profilierte Sortimente, schnellen Service und kostenlose Beratung anzubieten. Gerade in den vielen kleinen und mittelgroßen Buchhandlungen liegt das Hauptaugenmerk auf diesen Dienstleistungen. Bei einem preisorientierten Konkurrenzkampf hätten sie das Nachsehen. Ein Sterben der Sortimentsbuchhandlungen zu Gunsten weniger großer Handelsketten wäre unausweichlich. Feste Ladenpreise für Bücher haben bisher diesen Konzentrationsprozeß behindert. Auf allen betroffenen Ebenen, in den (noch überwiegend mittelständischen) Verlagen, Buchhandlungen und Buchvertrieben, würden durch eine verschärfte Konzentration tausende von Arbeitsplätzen vernichtet. Verloren ginge aber auch ein vitaler Teil des Kulturbetriebs in Deutschland. Denn Vielfalt ist Kultur – Kultur ist Vielfalt.

 

Leserinnen und Leser profitieren von der Angebotspalette des Buchmarktes, die Meinungsvielfalt nicht nur gewährleistet, sondern die Vielfalt an Titeln auch flächendeckend verfügbar und bezahlbar macht. Der Zugang zu Information und Bildung durch Bücher ist deshalb bei uns kein Privileg. Ohne feste Ladenpreise würde es schnell so weit kommen: viele Bücher könnten gar nicht mehr verlegt werden, oder würden unerschwinglich. Mit einem Sterben kleiner und mittlerer Buchhandlungen ginge vielen Buchinteressierten die Möglichkeiten verloren, sich im Sortiment zu orientieren und beraten zu lassen, ohne lange Wege dafür in Kauf nehmen zu müssen.

 

Diese Darstellung enthält nur einen kleinen Teil der Argumente, die für die festen Ladenpreise sprechen. Ihre Buchhändlerin freut sich bestimmt über ein vertiefendes Gespräch darüber!