
Annette Sievers bei Ihrem Vortrag zum Thema Sanfter Verlag im
Azubistro auf der Frankfurter Buchmesse 2010.
Auf die Frage, wie ein Verlag ökologisch handeln und produzieren kann, antwortete Verlegerin Annette Sievers während eines Vortrages im AzuBistro der Buchhändlerschule auf der Frankfurter Buchmesse. Einige nachahmenswerte Aspekte haben wir hier zusammengefasst.
Nach einer kurzen Einführung zum Verlag ging die Referentin zunächst auf die Voraussetzungen für eine umweltverträgliche Verlagsproduktion ein. Neben dem inhaltlich umweltfreundlichen Konzept sowie dem Druck auf Recycling- oder FSC-Papier tragen dazu weitere Maßnahmen bei:
- pmv druckt prinzipiell bei deutschen Druckereien und unterstützt damit kurze Transportwege und inländische Produktionsstätten
- ein optimiertes Papierformat erzeugt kaum Papierabfall
- Verwendung umweltschonender Druckfarben
- keine Überproduktion, eher kleine Auflagen
- kein Einschweißen der Bücher.
Dass der Weg zum grünen Verlag mit Tücken gefüllt war, erzählte Annette Sievers am Beispiel der 1991 erschienenen Barcelona- und Sardinienreiseführer. Diese Bücher waren nicht nur auf Recyclingpapier und in schwarz/weiß gedruckt, um überflüssiges Film- und Farbmaterial zu vermeiden, sondern sogar nur drucklackiert. Dies erwies sich jedoch als zu wenig haltbar, da die Umschläge mit der Zeit abfärbten. Daher wurden die nachfolgenden Bände zum Schutz kaschiert, wobei statt PVC- PE-Folie verwendet wurde.
Als großen Schritt in Bezug auf die Herstellung wertete Annette Sievers die im Jahr 2000 vorgenommene Änderung des Druckverfahrens auf das CTP-Verfahren (Computer to Plate). Dabei werden die Daten direkt auf die Druckplatte belichtet, was bedeutet, dass weniger silberhaltiges Filmmaterial und insgesamt weniger Chemie gebraucht werden.
Den Umzug des Verlags ins Frankfurter Gartenhaus nannte die Referentin als weitere wichtige Station der Verlagsgeschichte. Hier achtete der Verlag auf eine umweltfreundliche Büroeinrichtung. So wurde eine möglichst große Fensterfläche eingerichtet, um langfristig den Stromverbrauch zu reduzieren. Fenster und Wände sind gut isoliert. Weiterhin wurden umweltverträgliche Wandfarbe sowie Ökokautschuk als Fußbodenbelag verwendet.
Auch bei der Wahl der Auslieferung wurde auf Umweltverträglichkeit geachtet: Bei der Verlagsauslieferung Prolit aus Gießen werden beispielsweise durch das System der gebündelten Auslieferung Verpackungsmaterial und unnötige Transportwege reduziert.
Zum Abschluss ihres Vortrages machte die Verlegerin ihre Zuhörer auf den Messeauftritt aufmerksam, der mit etwas Mehraufwand ebenfalls umweltschonender gestaltet werden kann. Einige Beispiel vom pmv-Stand:
Standgestaltung- und deko werden mehrmals verwendet – Mehraufwand: Fantasie
Statt Papp- oder Plastikbechern benutzen wir Gläser, in denen wir Getränke von einem regionalen Lieferanten anbieten – Mehraufwand: Abwasch
Getränke aus Pfandflaschen – Mehraufwand: Rücktransport
Naschzeug für Besucher nicht einzeln verpackt, sondern lose anbieten
Werbegeschenke müssen nützlich sein: Lesezeichen mit Umrechnungstabellen oder Postkarten mit Frankfurt-Stadtplan statt Geschenke aus Plastik, die anschließend weggeworfen werden. Die Produktion erfolgt aus Papierabfällen. Mehraufwand: Fantasie.
Infoblätter aus Recycling-Papier, nicht zusammentackern, keine Plastikmappen- oder folien. Mehraufwand: Überzeugungsarbeit bei den Mitarbeitern.
Infolge des Vortrages auf der Frankfurter Buchmesse erreichten den Verlag verschiedene Anfragen zum Thema umweltfreundliche und klimaneutrale Produktion, so zum Beispiel, welches Papier denn nun wirklich das geeignete ist: FSC- oder Recyclingpapier. Gern möchten wir uns über diese Themen weiter austauschen und diskutieren. Interessierte Kollegen sind herzlich eingeladen, sich unter info@PeterMeyerVerlag.de und unter Annette.Sievers@PeterMeyerVerlag.de mit uns in Verbindung zu setzen.